Trialog e.V.

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„Mythos Stalingrad – Modernes Wolgograd: Erinnerung im Objektiv“

Foto- und Textwerkstatt
vom 02. - 10. August 2008

Der Mythos, der sich um die Zerstörung Stalingrads und die Stalingrader Schlacht rankt, steht sinnbildhaft für die verheerenden Auswirkungen von Nationalismus und Krieg. Im heutigen Wolgograd, das im Russischen den Zusatz „Heldenstadt“ trägt, wird umfangreich an dessen bedeutende Rolle im „Großen Vaterländischen Krieg“ erinnert: in Museen und Ausstellungen, in Form von unzähligen Denkmälern und dem  gigantischen Mahnmalkomplex auf dem Mamai-Hügel.

Das Gedenken an den zweiten Weltkrieg ist in Deutschland und Russland durch Täter- und Opferperspektiven, durch die Erzählung als Untergangs- bzw. Siegesgeschichte sehr unterschiedlich. Wie können wir, Deutsche und Russen, heute mit dieser Erinnerung umgehen?

Wir wollen ein Seminar anbieten, das die Reflektion deutsch-russischer Geschichte ermöglicht und die individuelle und kollektive Erinnerung an historische Ereignisse zur Diskussion stellt. Dabei sollen sich die Teilnehmer/innen dem Thema in binationalen Gruppen durch Interviews sowie durch die Medien Fotografie und Text nähern.

Insgesamt 16 Teilnehmer (acht aus Russland, acht aus Deutschland) werden in vier binationalen Kleingruppen anhand von Zeitzeugengesprächen, Gruppendiskussionen und Auseinandersetzungen mit den Erinnerungsorten an unterschiedlichen Schwerpunktthemen arbeiten.

Durch die Vielfalt biografischer Erzählungen, Erinnerungen und der Arten des Erinnerns entsteht  dabei ein Nebeneinander von Perspektiven. Hierbei geht es vor allem darum, sich der eigenen Sichtweise und Wertungen bewusst zu werden – und die Verständigung mit anderen zu suchen, auch wenn sie diese Sicht und Wertung eventuell nicht teilen.

Es soll Sensibilität geschaffen werden in Bezug auf die nötige Unterscheidung von Fakten und Erlebtem, Selbst- und Fremdwahrnehmung und der „kulturellen Brille“ aller Beteiligten. So soll eine prinzipielle Anerkennung des jeweils Erlebten und Erzählten, aber auch die Wahrung persönlicher Grenzen unterstützt werden.

Weiter dient das Projekt dazu, Mittel und Methoden der historischen Forschung praktisch zu erproben und zu reflektieren. Die Eignung von Oral-History-Interviews und Selbstzeugnissen als historische Quellen wollen wir dabei kritisch hinterfragen. Die Vermittlung von Kompetenzen, der Möglichkeiten, aber auch Grenzen von Interviewführung, Fotografie und Textarbeit sowie deren Web-Präsentation wird Gegenstand unserer Seminararbeit sein.

Die während der Seminarwoche entstehenden Ergebnisse, unsere Interviews, Fotografien und Texte sind Bausteine des Erinnerns. Dabei wird durch diese „eigene Geschichtsschreibung“ Objektivität zwangsläufig in Frage gestellt.

Im nächsten Jahr ist ein Gegenbesuch der deutschen Teilnehmer in Wolgograd geplant. Langfristiges Ziel dieses Pilotprojektes ist die Verstetigung eines Austausches und der regelmäßigen Seminararbeit in den beiden Städten.

Die Ergebnisse unserer Seminarwochen könnt Ihr Euch hier ansehen. Unter Leben und Gesellschaft findet sich alles Wissenswerte.

Projektinfos

Termine: 02. - 10. August 2008, 02. - 10. Mai 2009 +++ Orte: jeweils 1 Seminarwoche in Berlin und Wolgograd +++ Zielgruppe: junge Erwachsene aus Deutschland und Russland +++ Arbeitssprachen: Deutsch und Russisch

Ansprechpartner

Anna Brixa
anna.brixa[at|trialog-online.org

Förderer

Friedrich-Ebert-Stiftung

Deutsch Russischer Jugendaustausch